Drei Fragen an David Dowdey

David Dowdey ist Professor für German Studies an der privaten Universität Pepperdine in Malibu. Er hat für uns drei Fragen zum Hörspiel „Leo Baeck“ von Erwin Sylvanus beantwortet. Ein herzlicher Dank geht über den großen Teich!

Frage: Sie haben zusammen mit Wolfgang Rhée das Hörspiel „Leo Baeck“ von Erwin Sylvanus ins Englische übersetzt und 1996 herausgegeben. Hat das Hörspiel dazu geführt, dass Leo Baeck, einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Judentums in den USA bekann-ter geworden ist?
David Dowdey: Ich hoffe. Ich kann nur vermuten. Das Holocaust-Museum in Washington DC hat mich einmal um die Erlaubnis gebeten, Material von dem Baeck-Buch in einer Ausstellung über Leo Baeck zu benutzen.

Frage: Wir wissen heute, dass Erwin Sylvanus stärker mit dem Nationalsozialismus identifiziert war, als er es später darstellte. Noch 1941 trat er in die NSDAP ein. Verändert dieses Wissen Ihren Blick auf das Hörspiel „Leo Baeck“?
David Dowdey: Eigentlich nicht. Ich betrachte das Spiel als Sylvanus‘ Versuch, menschlicher und humaner zu werden. Vielleicht war es eine Art „Vergangenheitsbewältigung“ für ihn. Dürfen wir auch sagen, es war eine Art Sühne für seine Vergangenheit?

Frage: Zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome wurde 1988 eine Kurzfassung in Los Angeles Ihrer Übersetzung auf die Bühne gebracht. Ist das Stück heute noch geeignet, um an den nun 80. Jahrestag zu erinnern oder hat es sich überlebt?
David Dowdey: Ich glaube und hoffe, es ist noch heute geeignet, um an den 80. Jahrestag der Novemberpogrome zu erinnern. Wie ich in meinem Vorwort geschrieben habe (S.19), war es offensichtlich Sylvanus‘ Absicht, dass das deutsche Publikum sich mit diesem Thema auseinandersetzen soll. Heute im Hinblick auf die Gefahr des verbreitenden Vergessens, besonders hierzulande—eine Statistik berichtet, dass ca. 41% der Jugendlichen glauben, weniger als eine Million sind im Holocaust gestorben — ist es dringend nötig, an einen solchen Jahrestag zu erinnern. Die Menschheit, nicht nur die Deutschen, muss sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Es gibt derzeitig eine Ausstellung in Washington DC mit dem Titel GEGEN DAS VERGESSEN. Die Ausstellung zeigt 120 übergroße Portraits. In einem Schreiben des Auswärtigen Amtes heißt es, „Die Gesichter sehen den Betrachter direkt an, als wollten sie jeden Einzelnen von uns in die Pflicht nehmen: Nie wieder.“
Erwin Sylvanus, Leo Baeck. A Radio Play Based on Authentic Texts. Edited and Trans-lated by David Dowdey an Robert Wolfgang Rhée, New York et.a. 1996.

 

seaver.pepperdine.edu
Faculty at Pepperdine University Seaver College

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