Der Bühnen-Tachist

Der Bühnen-Tachist: In einer Rezension des in Göttingen uraufgeführten Stücks „Zwei Worte töten“ setzt sich der SPIEGEL-Autor 1959 mit dem „Bühnen-Tachist Sylvanus“ auseinander (vgl. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42625632.html). Es gelingt Sylvanus, durch seine Methode abrupter Unterbrechungen eines Erzählflusses die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu halten. Durch scheinbare Improvisation von „Szenenflecken“, die als zufällig und motivlos erscheinen, muss der Zuschauer selbst den Sinn des Stückes rekonstruieren. Er ist insofern aktiv an dem Theaterstück beteiligt. Sylvanus nutze aber – so der Rezensent der Göttinger Aufführung – auch den Trick, ohne Pause durchzuspielen, so dass die Zuschauer das Stück nicht vor dem Ende verlassen können.

Nochmal Tachismus: Sylvanus sieht sich als Erfinder einer tachistischen Dramaturgie. Er will die Prinzipien dieser Kunstrichtung, die in den 40er Jahren in Paris entstand, auf seine Theaterstücke übertragen. Im Tachismus soll durch das spontane, zufällige Aufbringen von Farbflecken auf die Leinwand rationale Kontrolle des Malvorgangs vermieden werden. Das Unbewusste soll so unmittelbaren Ausdruck erhalten. Die Übergänge vom Tachismus – die Bezeichnung setzt sich letztendlich nicht durch – zu anderen Formen der abstrakten Malerei der Nachkriegszeit wie dem Informel oder dem Action Painting des Amerikaners Jackson Pollock sind fließend.Kein Illusionstheater: „Korczak und die Kinder“ wurde am 1. November 1957 von Hans-Dieter Schwarze an den Vereinigten Bühnen Krefeld-Mönchengladbach uraufgeführt. Erwin Sylvanus war von seinem Freund Hans-Dieter Schwarze darin bestärkt worden, das Lebensende von Janus Korczak im Warschauer Ghetto in ein Theaterstück umzusetzen. Schwarze bat ihn um ein Stück für eine Studio-Bühne. „Daß ein solches Stück eine eigene Dramaturgie haben mußte, war Schwarze und mir schon im ersten Gespräch klargeworden. Es durfte kein Stück für ein wie auch immer geartetes Illusionstheater werden.“ (Sylvanus, Vorwort 1980, S.9) So entwickelte Sylvanus seine tachistische Dramaturgie für sein Stück „Korczak und die Kinder“.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s